Stellungnahme meiner Entscheidung in der Gemeindevertretung
Mühlenbecker Land, September 2026
Politische Verantwortung bedeutet für mich nicht, einmal gefasste Positionen um jeden Preis zu verteidigen. Sie bedeutet, Entwicklungen kritisch zu begleiten, neue Erkenntnisse zu berücksichtigen und Entscheidungen immer wieder am Wohl unserer Gemeinde zu messen.
Deshalb habe ich mich in der Gemeindevertretung des Mühlenbecker Landes für die Fortführung des Hortneubaus in Schildow und gegen den Antrag der Linken auf einen Stopp der Maßnahmen ausgesprochen.
Diese Entscheidung ist auch Ausdruck eines persönlichen Umdenkprozesses.
Ich habe die Planungen in der Vergangenheit durchaus kritisch betrachtet. Fragen nach den Kosten, der Finanzierung, der Prioritätensetzung und der langfristigen Entwicklung unserer Gemeinde sind berechtigt. Gerade angesichts angespannter öffentlicher Haushalte müssen wir sorgfältig mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger umgehen.
Doch eine kritische Haltung darf nicht dazu führen, dass wir notwendige Zukunftsentscheidungen grundsätzlich infrage stellen.
Unser Mühlenbecker Land braucht nicht nur Antworten auf die Herausforderungen von heute, sondern auch Perspektiven für morgen.
Ein moderner Hort ist mehr als ein Gebäude. Er ist ein Ort für Bildung, Betreuung, soziale Entwicklung und Gemeinschaft. Er schafft Rahmenbedingungen für Familien und trägt dazu bei, dass unsere Gemeinde auch künftig ein attraktiver Lebensort bleibt.
Natürlich müssen wir die demografische Entwicklung im Blick behalten. Sinkende Geburtenzahlen, veränderte Betreuungsbedarfe und finanzielle Belastungen dürfen nicht ignoriert werden. Sie müssen vielmehr Bestandteil einer vorausschauenden Planung sein.
Für mich hat sich deshalb die entscheidende Frage verändert: Nicht mehr allein, was uns ein Neubau heute kostet, sondern auch, welche langfristigen Folgen es hätte, notwendige Investitionen aufzuschieben oder aufzugeben.
Dabei ist mir wichtig: Meine Zustimmung ist kein Freibrief für steigende Kosten oder unzureichende Planung. Ich erwarte weiterhin Transparenz, Wirtschaftlichkeit und eine verantwortungsvolle Umsetzung. Dazu gehört auch, Planungen regelmäßig auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen.
Der Antrag der Linken, die Maßnahmen zu stoppen, hat mich vor diesem Hintergrund nicht überzeugt. Die vorgetragenen Bedenken verdienen eine sachliche Auseinandersetzung. Ein Stopp ist für mich jedoch nur dann eine tragfähige Alternative, wenn zugleich eine überzeugende Perspektive für die künftige Betreuung und die bereits begonnenen Planungen aufgezeigt wird.
Wir stehen im Mühlenbecker Land vor weiteren großen Aufgaben: Schulen, Feuerwehr, Verwaltung, Verkehrsinfrastruktur und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Nicht alles wird gleichzeitig möglich sein. Umso wichtiger ist es, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen mit langfristiger Perspektive zu treffen.
Ich habe meine Position verändert, nicht meine Grundsätze.
Mein Maßstab bleibt eine verantwortungsvolle, wirtschaftliche und zukunftsorientierte Kommunalpolitik.
Denn wer unsere Gemeinde gestalten will, muss bereit sein, Entscheidungen zu hinterfragen, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft möglich zu machen.
Stillstand allein ist noch keine Sparpolitik. Und Zukunft entsteht nicht dadurch, dass wir notwendige Entscheidungen immer weiter vertagen.
Neues Leben hinter alten Mauern – jetzt doch neue Mauern erdacht von altem Geiste
2024 / Schade – eine vergebene Chance
Genau 3.164 Bürgerinnen und Bürger hatten beim Bürgerentscheid für den Erhalt der alten Schule in Schildow gestimmt.
Da leider 75 Stimmen an einem erfolgreichen Entscheid fehlten, musste sich die Gemeindevertretung nochmals mit der Frage befassen, wie hier in Schildow an einer sehr prägenden Stelle im Ort vorgegangen werden soll.
Und – trotz berechtigter Bedenken, die im Zeitverlauf von der Bürgerinitiative zum Erhalt der Schule geäußert wurden (u.a. die deutlich höheren Kosten mit nicht absehbaren weiteren Kostenrisiken, die mangelnde Nachhaltigkeit des Abrisses eines funktionierenden Gebäudes) – fällte die Gemeindevertretung die nun finale Entscheidung zu Abriss und Neubau. Das ist an sich zu akzeptieren, jedoch die Art und Weise des Umgangs der Befürworter des Neubaus mit Einwänden war geprägt von mangelnder Wertschätzung und Eitelkeiten. Nicht die beste Vorraussetzung für ein Projekt, welches ja eigentlich die Zukunft junger Menschen in Schildow und dem Mühlenbecker Landes positiv gestalten soll.
Von Seiten der FDP möchte ich den vielen engagierten Mitstreitern der Bürgerinitiative danken, für eine wahrhaft demokratische Anstrengung. Es bleibt die Hoffnung, dass die kommenden großen Herausforderungen in unserer Gemeinde wieder mit mehr Gemeinsinn und wirklichem Austausch stattfinden.
